Embedded Systeme stehen im Zentrum des heutigen technologischen Ökosystems. Mit mehr als 27 Milliarden weltweit eingesetzten eingebetteten Geräten ermöglichen sie kritische Funktionen in den verschiedensten Branchen, von kritischer Infrastruktur (Wasser, Strom, Verkehrssysteme) bis hin zu medizinischen Geräten und Einrichtungen. Das bedeutet aber auch, dass ihre Exposition gegenüber Cyberbedrohungen wächst und dass sich Cyberangriffe in einer immer komplexeren geopolitischen Situation als mächtige Waffe erwiesen haben. Allein in Deutschland im Jahr 2025 verursachten sie Schäden von über 250 Milliarden Euro, hauptsächlich durch Produktionsverluste und Datendiebstahl.
Um Cyberangriffe vorherzusehen und zu mildern ist es wichtig, die unterschiedlichen Motivationen der Angreifer zu verstehen und die vielfältigen Wege und Techniken zu kennen, mit denen sie in die Systeme ihrer Opfer eindringen. Mit der Zunahme von verfügbaren Informationen und dem erweiterten Einsatz von Künstlicher Intelligenz ist es für einen böswilligen Akteur oft nicht schwer, Cyberangriffe auf Unternehmen oder Infrastrukturen durchzuführen, sei es aus finanziellen, politischen oder wirtschaftlichen Gründen. Ein häufiger Angriff zur Erlangung wirtschaftlicher Vorteile ist beispielsweise die Infektion des Zielsystems mit Ransomware, die die Daten verschlüsselt und sie nur gegen eine Lösegeldzahlung wieder freigibt. Politisch motivierte Cyberangriffe gegen feindliche Länder zielen meist auf kritische Infrastrukturen, um Chaos durch die Betriebsunterbrechung technologischer Einrichtungen zu verursachen. Bei der Industriespionage hingegen wird durch Zugriff auf interne Unternehmensnetzwerke geistiges Eigentum erbeutet, was für rivalisierende Unternehmen oder organisierte Gruppen von großem Interesse sein kann. Nicht zuletzt können auch unzufriedene Mitarbeiter eine doppelte Bedrohung darstellen, indem Sie einerseits das geistige Eigentum des Unternehmens an Dritte verkaufen oder andererseits die Operationen von innen durch Manipulation von Software oder Hardware sabotieren.
Im Unterschied zu aufwändig gesicherten IT-Systemen bieten Embedded Systeme eine Angriffsfläche, die sehr oft übersehen und unterschätzt wird, nämlich der direkte Zugang zu den Hardwarekomponenten einzelner Geräte. Offene Schnittstellen sind die am häufigsten ausgenutzten Schwachstellen beim physischen Zugriff auf eingebettete Systeme. Ein Hauptsicherheitsproblem in Netzwerken hingegen sind unsichere Protokolle ohne Authentifizierung oder Verschlüsselung in ihrer Kommunikation mit eingebetteten Systemen. Embedded Geräte, die mit unverschlüsselter Firmware programmiert sind, erleichtern den Zugriff auf die Software des Systems und deren Modifikation.
Durch technologische Weiterentwicklungen lassen sich Schwachstellen bei Hardware oder Software teilweise einfach beheben, aber weitaus komplexer sind Schwachstellen durch menschliche Fehler oder Insider-Sabotage und erfordern einen anderen Ansatz zur Minderung. Eine meist unterschätzte Bedrohung für eingebettete Systeme stellen auch Angriffe auf die Lieferkette dar.
Heute hat sich die Cyberkriminalität sowohl als lukratives Geschäft als auch als Cyberwaffe entwickelt, die die Lebensqualität der Weltbevölkerung stören kann. Diese Raffinesse zwingt Unternehmen, Cybersicherheit nicht nur als Option, sondern als Teil ihrer Identität zu übernehmen, um den technologischen und normativen Anforderungen, die die Zukunft für die Industrie bereithält, zu überleben. In diesem Umfeld erfordert der Wettlauf um die Produktion eingebetteter Systeme, die aktuellen und zukünftigen Herausforderungen standhalten können, die Zusammenarbeit mit Partnern, die über Erfahrung und Fachwissen im Bereich der Cybersicherheit verfügen.
Als proaktive Reaktion auf die zunehmenden Herausforderungen durch Cyberangriffe auf kritische Infrastrukturen hat die Europäische Union die NIS2-Richtlinie erstellt, die einen einheitlichen Rahmen schafft für die Implementierung von Sicherheitsmaßnahmen in wichtigen Unternehmen und kritischen Infrastrukturen. Jeder Mitgliedstaat ist dafür verantwortlich, diese Richtlinie in nationales Recht umzusetzen, um eine maßgeschneiderte Implementierung zu ermöglichen, die mit den lokalen Rechtsrahmen übereinstimmt. Dieser Ansatz stellt sicher, dass die Ziele der Richtlinie erreicht werden, während die unterschiedlichen regulatorischen Umgebungen der Mitgliedstaaten berücksichtigt werden. Cybersicherheit ist also bei der Entwicklung eingebetteter Produkte keine Option mehr, sondern eine zwingende Anforderung für ihren Lebenszyklus, mit dem Ziel, die Risiken im europäischen digitalen Ökosystem zu reduzieren.
Der im Dezember 2024 veröffentlichte Cyber Resiliance Act (CRA) verpflichtet außerdem die Hersteller digitaler Produkte, die Cybersicherheit bereits im Design zu verankern und während ihres Lebenszyklus Sicherheitsupdates bereitzustellen. Obwohl der CRA für alle digitalen Produkte verpflichtend ist, sind einige Kategorien von der Erfüllung ihrer Anforderungen ausgenommen, da sie durch eigene strenge Cybersicherheitsvorschriften geregelt werden. Nachdem für die CE-Zertifizierung digitaler Produkte die Einhaltung des CRA ab Ende 2027 erforderlich sein wird, müssen Unternehmen ihre Prozesse anpassen und in einen effektiven Schutz übersetzen, um die Cybersicherheit in jede Phase des Produktlebenszyklus zu integrieren.